Hickory-Golfschläger.


Im Laufe der letzten über 400 Jahre hat sich der Golfschläger stetig weiterentwickelt. Der Wunsch vom perfekten Schlag und sich ergebenden technischen Möglichkeiten ließen in der Phantasie der Schlägerbauer Revolutionen und Stilblüten entstehen. Gerne geben wir hier einen Einblick in die Welt der Hickory-Golfschläger.

 

Mehr Informationen über den Umgang mit Hickory-Schlägern haben wir hier abgelegt.

Die ersten Golfschläger hatten Schäfte aus Holz. Hier zeigte sich im Laufe der Entwicklung recht schnell, dass das Holz des zu den Wallnussgewächsen zählenden Hickory-Baums am geeignetesten war. Es war nicht nur hart und belastbar, sondern auch sehr lange haltbar.

Natürlich wurden auch aus anderen Pflanzen Schäfte hergestellt. So verwendete man z.B. auch Bambus. Diese Schäfte waren in der Regel mehrteilig. Anfang des 20.Jahrhunderts stellte der Schlägermacher Robert Simpson einen Brassie her, dessen Schaft aus einem einzigen Bambusrohr bestand.
Kleiner Beschädigungen am Schaft ließen das Bambus schnell mal beim Schlagen splittern, weshalb es sich wohl letzten Endes nicht durchsetzen konnte. Dass aber wohl das Bambus-Holz an sich optisch gemocht wurde, zeigt sich auch daran, dass in der ersten Zeit der Stahlschäfte diese nicht nur in Hickory-Farben, sondern eben auch in Bambus-Optik lackiert wurden.

 

Da trotz seiner Belastbarkeit auch das Hickory-Holz oft zum Zerbrechen neigte, zudem der Nachschub an qualitativ hochwertigem Hickory-Holz geringer wurde, suchten die Schlägerbauer nach weiteren Alternativen. Im Rahmen der Industrialisierung und damit verbundenen stetigen Verbesserung von Fertigungstechniken auch beim Stahl, rückte diese Material immer weiter in den Focus der Schlägerbauer.
Der erste spielbare Schläger mit einem Stahlschaft entstand 1883. Doch es sollte noch bis zum April 1924 dauern, bis die USGA Stahlschäfte bei Tunieren zuliess.

Der Kopf gibt dem Schläger den Namen. Die englischen Bezeichnungen stehen auf den einzelnen Hickory-Golf-Schlägern. Hier haben wir die wohl wichtigsten Schlägerbezeichnungen aufgeführt. 

 

Für den Einstieg in das Hickory-Spiel reicht für den Anfang ein Satz aus Brassie, Mashie, Mashie-Niblick, Niblick und Putter völlig aus. Je nach spielerischer Fähigkeit und Interesse kann dann dieser Grundstock ergänzt werden.

 

DIE BEZEICHNUNGEN (Die wichtigsten Schläger sind rot markiert)

 

Der Treiber (Driver) wurde in diversen Ausführungen hergestellt. Neben einem Hickory-Schaft bestand der Schlägerkopf auch aus Holz, meist war es Persimmon-Holz. In den Schlägerboden war in der vorderen Hälfte eine Platte aus Horn eingearbeitet. Sowohl die Länge des Schaftes wie auch der Loft des Schlägerkopfes variieren. Beim Loft reicht die Palette von 7 bis 13 Grad und es gibt Treiber mit großen und kleinen Köpfen.
Der Treiber ist der Schläger, mit dem in der Regel abgeschlagen wird, doch er kann auch auf dem Weg zum Loch für Schläge genutzt werden.

 

Der Brassie ist ist vom Aufbau dem Treiber sehr ähnlich, hat jedoch zum Schutz des Schlägerkopfes eine Metallplatte im Boden, wodurch er sich gegenüber dem Treiber auch für ungünstigeres Gelände anbietet. Dieser ist meist aus Messing. Der Kopf hat einen Loft zwischen 12 und 17 Grad und wurde in unterschiedlichsten Designs hergestellt. Der Kopf wurde meist aus Persimmon-Holz hergestellt, in der Schlagfläche wurden oft auch andere Hölzer mit eingearbeitet.
Der Brasise ist das Arbeitstier in der Reihe der Golf-Schläger. Seine Stärke ist das Spiel auf dem Fairway, wenn der Ball nicht in zu hohen Gras liegt und der Schlag eine Große Distanz überwinden soll.

 

Der Spoon ist vergleichbar mit den zeitgenössischen Hölzern 3 bis 5. Der Loft beträgt 15 bis 22 Grad. Wie beim Treiber und Brassie kommt auch der Spoon in allen Formen und Größen vor. Die Unterseite des Spoon ist leicht konvex zum Gras hin. Ein Spoon mit großem Kopf ist recht einfach zu schlagen. Ein Spoon mit einem kleinem, flachen Kopf ist dagegen schwierig zu beherrschen, recht anfällig und kann folglich auch mal brechen.

 

Der Holz-Cleek liegt im Bereich des zeitgenössischen Holz (Hybrid) 4 bis 6. Sein Loft hat 18 bis 25 Grad und die Schaftlänge liegt zwischen 40 und 42 Zoll. Dieser Schläger sind sehr schwer zu finden und wenn man das Glück hat, einen zu finden, so ist dieser selten in einem für das Spiel geeigneten Zustand.

 

Der Bulldog ist ein Fairway-Holz. Der Loft beträgt 18 bis 24 Grad. Der Kopf ist etwa doppelt so groß wie ein Golfball. Die Unterseite ist stark gebogen. Somit eignet sich der Bulldog besonders für Stellen, an denen der Ball sehr schlecht liegt. Wer die Möglichkeiten dieses Schlägers einmal live gesehen hat, der will einen solchen besitzen, doch dieser Schläger ist -insbesondere in spielbaren Zustand- sehr, sehr schwer zu finden.

 

Der Baffy ist dem Bulldog sehr ähnlich, sein Kopf ist größer und die Unterseite noch mehr gebogen, als die, des Bulldog. Somit eignet es sich noch besser für Stellen, an denen es sehr schwierig ist, den Ball herauszuspielen. Der Baffy entspricht dem Mid-Iron.

 

Der Cleek steht mit seinem Namen für eine spezielle Form des Schlägerkopfes. Er hat eine flache und recht lange Schlagfläche. Sein Loft beträgt etwa 19 Grad.
Vom Cleek gibt es verschiedene "Unterarten" mit Namen wie Light Cleek, Jigger (Lofting Cleek) oder Sammy. Der Cleek wurde etwa bis um die 1910er Jahre gespielt und durch Schläger wie Driving Iron und Driving Mahie ersetzt, da er nicht ganz einfach zu spielen war. Man fand in zu Beginn des 20.Jahrhunderts eigentlich nur noch in den Bags der besseren Spieler.

 

Der Driving Iron (Treiber-Eisen) entstand um 1900 und ist die Eisen-alternative zum Treiber, wenn kürzere Bälle vom Tee zu spielen waren. Aber auch für Schläge auf dem Fairway eignete sich dieser robuste Schläger sehr gut. Der Driving Iron ist spieltechnisch oberhalb des Eisen 1 einzustufen und ist gegenüber dem Cleek leichter zu spielen.

 

Das Eisen 1 (1-Iron) war ursprünglich eine Weiterentwicklung/die Ablösung des Driving Iron. Seine Zahl erhielt dieser Schläger etwa um 1920, als alternativ zu den bisherigen klangvollen Namen der Schläger Zahlenbezeichnungen aufkamen.

 

Der Driving Mashie mit seinem dicken Schaft diente für kräftige, aggressive, lange Schläge vom Tee aber eignete sich wegen seines stabilen Schaftes auch für kräftige Schläge aus misslichen Lagen sowie hohem Raff und noch eine gewisse Weite zu erreichen. Der Schläger ist eine Abwandlung/Weiterentwicklung des Cleek und erhielt seinen Namen aufgrund der Ähnlichkeit seines Schlägerkopfes mit dem des Mashie.

 

Der Push-Iron war nicht für das, was seine heutige wörtliche Übersetzung bedeutet, gedacht. Beherrschte man den Umgang mit dem Push-Iron, so bekam der Ball erheblichen Backspin auf dem Grün. Die sich daraus ergebende flache Flugbahn war der eigentliche Sinn und somit die Stärke des Push-Iron, denn so gelangen auch bei höheren Windstärken weite Schläge.
Spielerisch liegt der Push-Iron zwischen dem Driving Iron und dem Mid-Iron.

 

Der Sammy ist eine besondere Art des Cleek, bei dem der Schwerpunkt des Kopfes weit unten liegt. Er versetzt den Spieler durch diesen leicht abgeänderten Schlägerkopf in die Lage, den Ball so hoch wie mit einem Mid-Iron zu schlagen und dabei gleichzeitig die Weite wie eines Driving Iron zu erzielen.

 

Das Eisen 2 (2-Iron) entstand, wie auch das Eisen 1 Anfang der 1920er Jahre und hat gegenüber dem Mid-Iron etwas weniger Loft und ist eine Ergänzung für den geübteren Spieler.

 

Das Mid-Iron ist eines der wichtigsten Schläger in der Reihe der Eisen-Schläger. Seine Schläge sorgen für eine relativ flache Flugbahn, bei denen im Abschluss der Ball folglich noch ein Stück weit auf dem Fairway rollt. Im Bag sollte dieser Schläger auf längeren Kursen somit nicht fehlen.
Viel der ersten Lehrbücher empfahlen dem Anfänger mit diesem Schläger seine Golf-Karriere zu beginnen.

 

Das Mashie-Iron ist eine besondere Entwicklung auf Basis des Mid-Iron mit dem Kopf eines Mashie. Er ist eine spielerische Alternative zum herkömmlichen Mid-Iron.
Der Schläger wurde besonders bekannt, nachdem 1926 Bobby Jones den Ball damit aus dem Bunker heraus einlochte und so die British-Open gewann.

 

Der Approaching Cleek dient, wie schon sein Name verrät, den Annäherungsschlägen vom Fairway an/auf das Grün. Er entstand um 1890. Der Unterschied zum 'normalen' Cleek besteht in erster Linie in der Kopfform. Während die Schlagfläche nahezu identisch sind, unterscheiden sie sich beim Blick von Oben erheblich. Hier ist beim Approaching Cleek die Rückseite stark gewölbt. Diese konvexe Wölbung erinnert stark an eine Muschel, daher spricht man hier auch vom 'musselback-Design'. Wie auch der Cleek ist der Approaching Cleek nur etwas für den geübten Spieler.

 

Das Iron stammt aus dem 19.Jahrhundert und wurde benutzt um aus mittleren Entfernungen zum Loch Annäherungsschläge zu machen. Die meisten Schläger des beginnenden 20. Jahrhunderts, die mit 'Iron' gekennzeichnet sind, entsprechen im Prinzip dem Mid-Iron, haben jedoch etwas weniger Loft. In den Bags der besseren Spieler finden sich oft beide Schläger.

 

Der Mongrel Mashie ist ein nur noch selten zu findener Schläger, der von seinen Spieleigenschaften zwischen dem Mid-Iron und dem Mashie anzusiedeln ist. Im Großen und Ganzen entspricht der Schlägerkopf dem Mid Iron, beinhaltet aber kleine Details des Mashie. Der Mongrel Mashie gilt als Vorläufer des Eisen 3.

 

Das Eisen 3 (3-Iron) ist der dritte nummerierte Schläger aus den Jahren um 1920. Vom Loft liegt er zwischen dem Mid-Iron und dem Mashie und eignet sich bestens für gute Annäherungsschläge.

 

Das Eisen 4 (4-Iron) stammt zeitlich ebenfalls aus den 1920er Jahren und deckt spielerisch den Bereich zwischen Eisen 3 und Mashie ab. Er gilt als alternative zum Mashie, ist annähernd identisch im Loft und der Schaftlänge, unterscheidet sich vom Mashie jedoch in der Kopfform und im Gewicht.

 

Der Mashie wurde in den 1880er Jahren entwickelt und gilt als technische Revolution des Eisen-Schlägerbaus jener Jahre. Die Kopfform ist deutlich kürzer und tiefer als die des Cleek. Es zeigte sich schnell, dass dieser Schläger von seinem Schlagspektrum her in jedes Bag musste. Mit ihm waren -auch für ungeübtere Spieler- sowohl Schläge von großer Länge wie auch gefühlvolle kurze Annäherungsschläge möglich. Dieser Schläger war im Spiel so effektiv und unersetzbar, dass die Profispieler jener Tage oft einen zweiten als "Bruch"-Ersatz im Bag hatten.

 

Der Spade Mashie ist leicht an der hohen Form des Schlägerkopfes erkennen. Dieser Schläger war für auf Gras/Laub aufliegende Bälle gedacht. Durch die hohe Kopfform sollte verhindert werden, dass man unter dem Ball "durchschlug". Durch seinen großen Schlägerkopf ist der Spade Mashie nicht ganz so einfach zu spielen. Die Schlägerbauer versuchten, den Kopf relativ dünn zu halten um so das Gewicht zu reduzieren und ihn spielbarer zu machen.

 

Der Mashie Niblick liegt spieltechnisch zwischen dem Mashie und dem Niblick. Dieser Schläger ist besonders für das Pitching und Chipping geeignet. Die Grund-Kopfform des Mashie Niblick ist ei-förmig. Es gibt div. Formen und Größen dieses Schlägers, eine der zahlreichen Ausführung wurde auch unter dem Namen 'Benny' etwas bekannter.

 

Der Niblick war das Sand-Wegde der Hickory-Ära. Neben den Schlägen aus dem Bunker rettete der Niblick so manchen misslich liegenden Ball. In der Regel hat das Niblick einen Loft von ca. 52°, jedoch keinen , in einigen Fällen sogar einen „Minus“ Bounds. Dadurch konnte das Schlägerblatt problemlos bis zu einem Loft von 60° und mehr ‚geöffnet‘ werden. Seine Bandbreite reicht vom heutigen Pitching Wedge bis zum Lob Wedge.

  

Der Putter dient dazu, den auf dem Grün liegenden Ball einzulochen. Durch die um 1900 noch ‚hohen Greens‘ waren Putter mit Lofts von bis zu 10° üblich. Gegen 1930 wurden die Greens schon so perfekt, dass mit heute vergleichbaren Lofts gearbeitet wurde. Der Ideenreichtum der Schlägerbauer scheint gerade bei diesem Schläger

unbegrenzt.


Texte wurden mit freundlicher Unterstützung von Klaus ANDREE aus Berlin zusammen gestellt, der auch passende Hickory-Ausrüstung anbietet www.retonia.de